COMPENDIUM CULTURAL POLICIES AND TRENDS IN EUROPE
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Germany/ 8.3 Künstlerische und kulturelle Ausbildung  

8.3.1 Institutioneller Überblick

Auf Bundesebene liegt die wichtigste Regierungsverantwortung für künstlerische und kulturelle Bildung innerhalb von drei Bundesbehörden: dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend begann mit der Umsetzung seiner "Eigenständigen Jugendpolitik" im Jahr 2011. Insbesondere der Bereich der kulturellen Bildung kann in den Bereich der Aufnahme von nicht-formaler Bildung und die Zusammenarbeit mit der formalen Bildung vorrücken. Neben einem Innovationfonds für kulturelle Bildung innerhalb der "Eigenständigen Jugendpolitik" wird das Ministerium im Jahr 2012 ca. 8,5 Mio. EUR für die Verbesserung der Bundesinfrastruktur und der schulischen und beruflichen Weiterbildung im Rahmen der kulturpolitischen Praxis einbringen.

Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien kündigte im Jahr 2011 ein Förderprogramm in Höhe von 1,2 Mio. EUR für Pilotprojekte zur künstlerischen und kulturellen Vermittlung an. Es ist geplant, den Zuschuss für dieses Programm im kommenden Jahr zu erhöhen. Unterstützt werden nachhaltige Modellprojekte, Qualifikationen, bundesweite Konferenzen und empfehlungsorientierte Forschung, welche Impulse für eine qualifizierte künstlerische und kulturelle Vermittlung geben und neue methodische Ansätze ermöglichen. Diese Projekte sollten insbesondere darauf zielen, den Menschen, die nicht mit kulturellen Aktivitäten von traditionellen kulturellen Institutionen in Kontakt kommen, die Teilnahme an kulturellen Aktivitäten zu ermöglichen.

Die "Allianz für Bildung" wurde 2011 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ins Leben gerufen. Darin haben sich 29 Initiativen, Vereine und Stiftungen in den Bereichen Kultur, Bildung, Sport und Wirtschaft zusammengeschlossen zur Unterstützung und Förderung bildungsbenachteiligter Kinder- und Jugendlicher.

2012 hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung das bislang größte Förderprogramm des Bundes für Kulturelle Bildung in Leben gerufen. Ziel des Programms "Kultur macht stark" ist die Förderung von außerschulischen Bildungsangeboten für benachteiligte Kinder und Jugendliche. Dafür werden lokale "Bündnisse für Bildung" gegründet. Die Förderung begann 2013 und erstreckt sich über einen Zeitraum von 5 Jahren. 2013 stellt das BMBF dafür 30 Mio. EUR zur Verfügung. Für die Folgejahre ist eine Steigerung auf bis zu 50 Mio. EUR geplant. Insgesamt werden 230 Mio. EUR zur Verfügung gestellt.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert darüber hinaus ein weiteres Projekt, das seit 2012 vom Deutschen Kulturrat umgesetzt wird: die "Dialogplattform Kulturelle Bildung". Sie besteht aus einem Internetportal "Kultur bildet", einer Zeitungsbeilage "Kultur bildet" und Dialogforen.

In der aktuellen kulturpolitischen Diskussion setzt sich die Auffassung durch, dass die kulturelle Bildung für Kinder und Jugendliche sowohl innerhalb wie außerhalb der Schule verstärkt werden muss. So hatte auch die Enquete-Kommission "Kultur in Deutschland" des Deutschen Bundestages dieses Thema ganz oben auf ihre Agenda gesetzt. Initiativen die dabei erwähnt werden sollten, sind:

  • im Frühjahr 2007 wurde im Ruhrgebiet ein Programm mit dem Titel "Jedem Kind ein Instrument" von der Kulturstiftung des Bundes, dem Land Nordrhein-Westfalen und der Zukunftsstiftung Bildung unter Beteiligung der Kommunen des Ruhrgebiets, privater Förderer und der teilnehmenden Familien als Kooperationsprojekt der Kulturhauptstadt RUHR.2010 initiiert. Jedem Grundschulkind des Ruhrgebiets soll die Möglichkeit offen stehen, ein Musikinstrument zu erlernen, das es sich selbst ausgesucht hat. Im Mittelpunkt steht das gemeinsame Musizieren der Kinder – von der ersten bis zur vierten Klasse. Die Kosten von rund 35 Mio. EUR werden von der Kulturstiftung des Bundes, dem Land Nordrhein-Westfalen und privaten Förderern sowie durch einen kleinen Beitrag von den Eltern getragen. Seit dem Schuljahr 2011/12 wird "Jedem Kind ein Instrument" allein durch die Landesregierung Nordrhein-Westfalen gefördert. In NRW nehmen im Schuljahr 2012/2013, 634 Grundschulen und 26 Förderschulen sowie ca. 60.000 Schüler daran teil. Die Idee des Projekts wird von Initiativen in anderen Bundesländern übernommen, wie z.B. Hamburg, Sachsen und Hessen.
  • die Jugendkultur- und Jugendbildungsinitiative mit dem Titel "Kinder zum Olymp" der Kulturstiftung der Länder in Kooperation mit privaten Sponsoren unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Joachim Gauck (siehe http://www.kinderzumolymp.de);
  • die Initiativen zur Förderung von Kinder- und Jugendkultur der Städte München und Hamburg;
  • seit 2009 verleiht die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien jedes Jahr einen Preis für Kulturelle Bildung, welcher mit 60.000 EUR dotiert ist;
  • Um Beispiele für gute Praxis und Zusammenarbeit zwischen Einrichtungen der kulturellen Bildung und Schulen zu präsentieren, gründeten das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Bundesvereinigung Kultureller Kinder- und Jugendbildung einen Wettbewerb namens Mixed Up!. Seit 2005 werden jährlich Preise vergeben; neben drei regulären Preisen schreiben das BMFSFJ und die BKJ jeweils einen Sonderpreis zu jährlich wechselnden Themen aus – im Jahr 2013 zum Thema "Inklusion";
  • Mit dem Schuljahr 2011/12 startete in 5 Ländern (Nordrhein-Westfalen, Berlin, Hamburg, Baden-Württemberg, Thüringen) an 138 Schulen ein neues Programm mit dem Namen "Kulturagenten für kreative Schulen" mit dem Ziel, Kinder und Jugendliche nachhaltig für Kunst und Kultur zu begeistern und dadurch in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu fördern. Insgesamt 46 Kulturagenten entwickeln über einen Zeitraum von vier Jahren gemeinsam mit den Schülern, dem Lehrerkollegium, Eltern, Künstlern sowie Kulturinstitutionen ein umfassendes und fächerübergreifendes Angebot der kulturellen Bildung und bauen langfristige Kooperationen zwischen Schulen und Kulturinstitutionen auf. Es ist ein Modellprogramm des gemeinnützigen Forums K&B GmbH, initiiert und gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes und die Stiftung Mercator in Zusammenarbeit mit den zuständigen Landesministerien und weiteren Partnern. Seit dem Schuljahr 2015/2016 wird das Programm in den 5 Bundesländern jeweils als Landesprojekt weitergeführt.
  • 2012 wurde der 4. Bildungsbericht vorgelegt, diesmal mit dem Schwerpunktthema "Kulturelle Bildung" bzw. "Kulturelle / musisch-ästhetische Bildung im Lebenslauf". (Die vorherigen Schwerpunktthemen waren: Migration (2006), Übergänge Schule-Berufsschule-Hochschule-Arbeitsmarkt (2008) und demografischer Wandel (2010).) Durch diese Schwerpunktsetzung wurde das Thema "Kulturelle Bildung" stärker als bislang in den Fokus gerückt. Es wird aber auch darauf hingewiesen, dass es für die "Kulturelle Bildung" – nicht nur aufgrund der Vielzahl an Akteuren mit jeweils unterschiedlichen Erhebungen bzw. Erhebungsmethoden – eine unbefriedigende Datenlage vorliegt.

Kapitel publiziert: 12-09-2016

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