COMPENDIUM CULTURAL POLICIES AND TRENDS IN EUROPE
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Kulturelle Teilhabe

Ein wichtiges Element der Menschenrechte

Das primäre Ziel des Europarats ist es, einen gemeinsamen demokratischen und rechtlichen Bereich im gesamten Kontinent zu schaffen, in dem die Grundwerte respektiert werden: Menschenrechte, Demokratie und  Rechtsstaatlichkeit. Im Zusammenhang mit diesen Grundsätzen ist "das Recht am kulturellen Leben teilzunehmen", ein Menschenrecht, dessen Bedeutung von der Parlamentarischen Versammlung des Europarates im Januar 2012 unterstrichen wurde:

"Das Recht am kulturellen Leben teilzunehmen ist - und sollte als dieses anerkannt werden – entscheidend für das System der Menschenrechte. Denjenigen welchen dieses Recht vorenthalten wird, die verlieren auch die Möglichkeit ihre anderen Rechte mit Verantwortung auszuüben, auch durch mangelndes Bewusstsein vom Reichtum ihrer Identität. Darüber hinaus tragen der Zugang zu den Künsten und freie künstlerische und kulturelle Ausdrucksfähigkeit zur Entwicklung des kritischen Denkens bei, darunter für gegenseitiges Verständnis und Respekt. Damit tragen sie zur Verstärkung demokratischen Bürgersinns und des sozialen Zusammenhalts bei, einem 'harmonischen Zusammenleben' und Frieden zwischen den Völkern."

Arbeitsdefinition von kultureller Teilhabe

Eine breitere Teilnahme am kulturellen Leben ist ein wichtiges Anliegen der nationalen Kulturpolitiken in verschiedenen Ländern auf der ganzen Welt. Kulturelle Teilhabe ist mit einem aktiveren Lebensstil verbunden; diejenigen, die von der Teilnahme an kulturellen Aktivitäten ausgeschlossen sind haben auch ein geringeres Maß an sozialem Zusammenhalt (Morrone, De Mauro: 2008).

Das UNESCO Framework for cultural statistics (FCS) von 2009 definiert kulturelle Teilhabe wie folgt:

"Kulturelle Praktiken, welche sowohl Ausschöpfung als auch Tätigkeiten beinhalten können, die innerhalb der Gemeinschaft durchgeführt werden und die Qualität des Lebens, Traditionen und Überzeugungen widerspiegeln. Sie beinhalten sowohl die Teilnahme an kostenpflichtigen Ereignissen, wie einem Kino- oder Konzertbesuch, als auch informelle kulturelle Handlungen, wie etwa die Teilnahme an gemeinschaftlichen kulturellen Aktivitäten und künstlerischen Produktionen von Laien oder alltägliche Tätigkeiten wie das Lesen eines Buches.

Darüber hinaus deckt kulturelle Teilhabe sowohl aktives als auch passives Verhalten ab. Sie  beinhaltet die Person, die zu einem Konzert geht, und die Person, die Musik praktiziert. Der Zweck von Umfragen über kulturelle Teilhabe sollte sein, die Beteiligung zu beurteilen, auch wenn es schwierig sein kann, aktives Verhalten von passivem zu unterscheiden. Zum Beispiel können, etwa bei Festivals, einzelne Personen einerseits Künstler sein (aktiv, etwas hervorbringen und andere inspirieren) und zu anderen Zeiten auch wieder Publikum (passiv oder nach Inspiration suchend). Kulturelle Teilhabe beinhaltet nicht Tätigkeiten, welche im Berufsalltag ausgeführt werden, würde also z.B. Besucher in einem Museum, aber nicht den bezahlten Führer erfassen".

Kulturelle Praktiken können nach drei Kategorien definiert werden (2006 Morrone):

1. Zu Hause (culture d’appartement) bezieht sich auf die Zeit, die mit Fernsehen, Radio hören, hören und sehen von Tonaufnahmen und Bildern, Lesen und bei der Nutzung eines Computers oder dem Internet verbracht wird.
2. Auswärts (culture de sortie) umfasst Besuche von kulturellen Einrichtungen wie Kino, Theater, Konzerte, Museen, Denkmäler und historische Stätten.
3. Identitätsbildung (culture Identitaire) deckt kulturelle Amateur-Praktiken ab, darunter die Mitgliedschaft in kulturellen Vereinigungen, Angebote der populären Kultur oder der ethnischen Kultur, andere Gemeinschaftspraktiken und die Jugendkultur.

Das Compendium befasst sich mit kultureller Teilhabe

Seit dem Beginn des Compendium Projekts ist kulturelle Teilhabe als Querschnittsthema von Relevanz in unterschiedlichen Bereichen der kulturellen Politik, wie auch als Thema von spezifisch bestimmten Unter-Kapiteln in den Compendium Länderprofilen behandelt worden.

Daher sind mehrere Stränge von Informationen und Daten in verschiedenen Teilbereichen der einzelnen Compendium Länderprofile zu finden.

Ein Teil dieser Inhalte wird im Compendium in vergleichenden / statistischen Tabellen zusammengefasst, diese befassen sich z.B. mit europäischen Daten zur aktiven kulturellen Teilhabe; Internetnutzungsraten sowie der Nutzung von Facebook; der Entwicklung bei Besuchen von Bibliotheken und Leseaktivitäten; der Anzahl von Kinos und Kinobesuchen; etc. Weitere empirische Belege werden folgen, unter anderem als Ergebnis des Forschungsprozesses, der 2012 bei der Compendium Assembly in Helsinki initiiert wurde, oder im Rahmen des Indicator Framework on Culture and Democracy (IFCD).

Gemeinsam mit wichtigen Hintergrundinformationen und Links zur Forschung, können solche Informationen Regierungen und NGOs bei ihren Bemühungen helfen, kulturelle Teilhabe zu messen und Politik und Maßnahmen zu vergleichen, die auf die Verbesserung des Zugangs zu kulturellen Aktivitäten für verschiedene Gruppen der Bevölkerung zielen. Ebenso werden Reflexionsprozesse unterstützt, um zu bestimmen, auf welche Weise kulturelle Teilhabe wichtig ist für Prozesse von democratic governance und als Menschenrecht - mehr dazu auch im Themenfeld "Cultural Rights and Ethics".

Bitte senden Sie Ihre Kommentare und Vorschläge an: info@culturalpolicies.net